Im Gespräch mit Damian Ott: Ein Blick hinter die Kulissen des Toggenburger Schwingers

Schwing-Fans aufgepasst! Als stolzer Co-Sponsor durften wir einen spannenden Einblick in die Welt des Toggenburger Schwingers Damian Ott gewinnen. Im Gespräch mit uns plauderte der sympathische Athlet nicht nur über seine Leidenschaft für den Schwingsport, sondern teilte auch Einblicke in seinen Alltag im Holzbau und verriet uns, wie er seine Freizeit am liebsten verbringt.
Das erwartet dich

Unser Interview fand an einem besonderen Ort statt: im Schwingkeller des 1912 gegründeten Schwingclubs Wil, dort, wo Damian seine ersten Schwingtrainings vor bald 20 Jahren absolvierte und noch heute trainiert. Damian gibt uns Einblicke in seine Welt als Sportler, teilt seine persönlichen Leidenschaften und berichtet über seine Erfahrungen mit Sponsoren.

In diesem Interview erfährst du ausserdem:

  • Wie Damian Ott zum Schwingsport gekommen ist

  • Welche Ziele er für die Zukunft hat

  • Wie er die Entwicklung im Holzbau sieht

  • Warum Messer im Geschirrspüler zu einer familieninternen Diskussion führten

  • Auf was er bei einer Sponsoringpartnerschaft Wert legt

Tauche mit uns ein in ein spannendes und aufrichtiges Gespräch, in dem wir die Gelegenheit haben, den Menschen hinter dem Sportler besser kennenzulernen. Wir möchten Damian herzlich danken, dass er sich die Zeit genommen hat, unsere Fragen in einer entspannten und angenehmen Atmosphäre zu beantworten. Seine Offenheit, Herzlichkeit und Bereitschaft, seine Gedanken und Erfahrungen mit uns zu teilen, schätzen wir sehr.

Und nun zum Interview – wir wünschen dir viel Vergnügen beim Lesen.

Im ersten Abschnitt erfahren wir mehr über Damians sportliche Karriere und seine Ziele

Damian, wie bist du zum Schwingsport gekommen?
Mit rund sechs Jahren begleitete ich meinen älteren Bruder zum Schwingtraining. Sofort hat es mich gepackt und so begann ich ebenfalls zu trainieren. Zu Beginn noch nicht jede Woche. Mit der Zeit wurde das dann immer mehr.

Welche Fähigkeiten oder Eigenschaften sind deiner Meinung nach entscheidend, um ein erfolgreicher Schwinger zu sein?
Als Schwinger benötigt man einige Voraussetzungen und Fähigkeiten. Zum einen sind gegebene Umstände wie eine gute Körperpostur entscheidend, dazu kommen Kraft, Ausdauer und Technik, die man sich antrainieren kann. Nicht zuletzt gehört auch eine Portion Glück dazu. Wenn alle diese Puzzleteile zusammenpassen, kann das ein richtig guter Tag werden.

Kannst du uns etwas über deine Trainingsroutine erzählen?
Als ich mit dem Schwingen begonnen habe, trainierte ich jeweils im Schwingkeller in Wil sowie im Sommer in Müselbach als Jungschwinger. Mit der Zeit kamen dann weitere Trainingseinheiten dazu. Unter anderem das Toggenburger-Training sowie das NOS-Intensivtraining bei dem der gesamte Verband dabei ist. Bei solchen Trainings hat man die Möglichkeit mit weiteren Schwingern zu trainieren, was die Vorbereitungen auf Wettkämpfe optimiert. Zusätzlich trainiere ich seit 2019 mit Sypoba (System Power of Balance) von Robin Städler. Diese 3-4 Trainingseinheiten pro Woche fördern meine Kraft, Koordination, Geschicklichkeit und Beweglichkeit und beugen so unter anderem Verletzungen vor.

Welches war dein denkwürdigstes oder herausforderndstes Wettkampferlebnis und was hast du daraus gelernt?
Wettkämpfe, die in den ersten Gängen nicht optimal laufen, sind immer herausfordernd, und doch kann man auch aus ihnen viel lernen. Ich finde, man sollte immer aus gewonnenen wie auch verlorenen oder gestellten Gängen etwas mitnehmen. Spontan kommt mir das Innerschweizer Teilverbandsfest in Dagmersellen vom Juli 2023 in den Sinn. Da man als Nordostschweizer Schwinger nicht oft in seiner Schwinger-Karriere an Innerschweizer Schwingfesten teilnehmen kann, war ein Kranz mein grosses Ziel. Ich startete jedoch mit einer Niederlage und einem gestellten Gang in den Wettkampf. Um mein Ziel trotzdem zu erreichen, musste ich die nächsten vier Gänge gewinnen. Das gelang mir dann auch. Besonders prägend war der letzte Gang, in dem ich meinen Gegner in den allerletzten Sekunden bezwang. Dieser Tag hat mir gezeigt, dass man niemals aufgeben darf. Ein Wettkampf ist erst zu Ende, wenn der Kampfrichter sagt, es ist fertig. Bis zu diesem Zeitpunkt hat man es selbst in der Hand und die Möglichkeit, den Gang für sich zu entscheiden.

Wie gehst du mit Niederlagen um?
Niederlagen, wie auch Verletzungen, sind nie etwas Schönes und doch gehören auch sie zum Sport dazu. Wenn ein Gang nicht optimal läuft, gehe ich möglichst ruhig vor, im Hintergrund oder mit Musik. An einem Wettkampf ist es wichtig, den misslungenen Gang schnell hinter sich zu lassen. Wenn möglich, schaue ich mir den Gang im Nachhinein noch einmal an, bespreche ihn mit meinem Trainer und lerne daraus, damit gewisse Fehler im Optimalfall nicht ein zweites Mal passieren.

Inwiefern hat der Schwingsport dein Leben ausserhalb des Sägemehlrings geprägt?
Sehr. Mittlerweile dreht sich bei mir fast alles ums Schwingen. Auch zu Hause ist mein Sport allgegenwärtig. In meiner Wohnung hat vieles mit Schwingen zu tun, und vieles davon habe ich an Schwingfesten gewonnen. Auch bei der Arbeit werde ich oft gefragt, wie es am Wochenende im Sägemehl gelaufen ist. Das freut mich sehr, denn es macht mir Freude, über das Schwingen zu sprechen und zu diskutieren. Viele Menschen kenne ich auch nur durchs Schwingen. Schwingen lebt man – es ist nicht einfach ein Hobby, welches man einmal in der Woche ausübt. Es ist alltäglich und fast in jeder Stunde präsent.

Wie siehst du die Zukunft des Schwingsports? Gibt es bestimmte Entwicklungen oder Veränderungen, auf die du ich besonders freust oder die du dir wünschst?
In den letzten Jahren haben wir viele Veränderungen erlebt. Der Sport ist moderner geworden, es gibt beispielsweise viel mehr Kameras auf dem Platz, wodurch die Ergebnisse besser erfasst werden können. Ich finde, das sind alles sehr positive Entwicklungen. Dennoch hoffe ich, dass der Schwingsport möglichst traditionell bleibt und sich nicht in eine falsche Richtung entwickelt.

Welchen Rat würdest du jungen Schwingerinnen und Schwinger geben, die sich ebenfalls für den Schwingsport interessieren oder gerade erst anfangen?
Das Wichtigste ist, immer dranzubleiben und nicht aufzugeben. Ebenso bedeutend ist, Freude an dem zu haben, was man tut. Ich freue mich immer auf das Training, auch wenn es manchmal hart ist und man durchbeissen muss. Ich bin mir sicher, dass die Freude und die Leidenschaft etwas vom Wichtigsten für den Erfolg sind.

Welche Rolle spielt die Teamarbeit im Schwingsport für dich?
Auch wenn Schwingen ein Einzelsport ist, ist das Team doch sehr wichtig. Ich entscheide für mich, wie ich zum Beispiel trainiere, wie ich mich ernähre oder meine Freizeit gestalte. Das sind alles Dinge, die jeder für sich selbst entscheiden soll, da jeder andere Anforderungen hat. Auf dem Schwingplatz sind wir jedoch als Team vereint. Je besser wir uns gegenseitig unterstützen, desto einfacher wird es für jeden Einzelnen. Wir können uns auf dem Schwingplatz motivieren, sowohl vor als auch während eines Ganges. Da wir als Verbandskollegen normalerweise nicht gegeneinander schwingen, ausser natürlich im Schlussgang, können wir uns auch unterstützen in dem wir dank unserer gezielten Leistung vermeiden, dass jemand aus dem Team gegen einen Gegner antreten muss, der ihm vielleicht nicht so liegt.

Was sind deine nächsten Ziele oder Pläne im Schwingsport?
Meine Ziele sind bestimmt sehr ehrgeizig. Solange mein Körper mitmacht, möchte ich an der Spitze mitschwingen. Es spielt keine Rolle an welchem Schwingfest, ich werde einfach immer mein Bestes geben. Gerne möchte ich diese grossartigen Emotionen nach einem Sieg wieder erleben, denn das ist ein einzigartiges Gefühl. Es wäre sehr schön, wenn ich das in Zukunft noch einmal, oder noch besser, mehrere Male erleben darf.

 

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Im nächsten Abschnitt erfahren wir, was Damian über die Welt des Holzbaus denkt und was ihm im Leben nebst Sport wichtig ist

 

Was bedeutet der Beruf Zimmermann für dich?
Mein Beruf ist, wie das Schwingen, sehr wichtig für mich. Es ist schön mitanzusehen, wie etwas entsteht und wie man die Träume der Kundschaft mitverwirklichen kann. Der Berufswunsch Zimmermann war für mich schon sehr früh klar, denn dieser Beruf passt gut zu mir und meiner Persönlichkeit. Zudem sind Beruf und Schwingsport durch das Sägemehl eng miteinander verbunden. Viele Schwinger kommen ebenfalls aus handwerklichen Berufen – ich würde meinen, das passt einfach perfekt.

Was verbindest du mit dem Holzbau und wie siehst du die Entwicklung im Holzbau?
Aktuell sehen wir eine sehr gute Entwicklung. Der Holzbau boomt und er wird modern gelebt. Ich freue mich auf die weitere Entwicklung und bin gespannt, was noch alles auf uns zukommen wird.

Wie schaffts du es Beruf und Sport unter einen Hut zu bringen?
Das ist nicht immer ganz einfach, da das Schwingen viel Zeit in Anspruch nimmt. Zum Glück habe ich einen sehr grosszügigen und toleranten Arbeitgeber. Seit meiner Lehrzeit unterstützt er mich tatkräftig sowohl in meiner sportlichen als auch in meiner beruflichen Karriere. Diese Unterstützung ist für mich von grossem Wert.

Bleibt noch Zeit für Hobbies neben dem Schwingen?
Zeit für Hobbies bleibt in der Schwingsaison eindeutig keine. Das Schwingen ist der Bereich, in den ich meine gesamte Freizeit investiere, und das tu ich sehr gerne. Diese Zeit wird irgendwann enden, daher möchte ich sie jetzt bestmöglich nutzen. Im Herbst, in der Off-Season, habe ich Zeit, Dinge nachzuholen, für die mir sonst die Zeit fehlt. Dann spiele ich gerne Tennis und Badminton oder gehe klettern. Das geniesse ich sehr und es ist eine willkommene Abwechslung.

Was ist dir in deinem Leben wichtig?
Glücklich sein und die Familie. Ich komme aus einer grossen Familie, die mich tatkräftig unterstützt und das ist sehr schön. Dazu ist es mir wichtig, dass das, was ich mache mir Freude bereitet.

Was ist ein witziger oder überraschender Fakt, den nur wenige Leute über dich kennen?
(lacht und überlegt) Seit ein paar Monaten wohne ich mit meiner Schwester zusammen. Ich hätte mir zuvor nie vorstellen können, dass man darüber diskutieren kann, wie man Besteck in die Geschirrspülmaschine einräumt. Kommen die Messerspitzen nach oben oder nach unten? Da wir beide dies unterschiedlich gesehen haben, entfachte eine hitzig und witzige Familiendiskussion. Auf eine Lösung sind wir allerdings nicht gekommen, die Meinungen gingen auseinander. Ich jedenfalls bin ein sehr sortierter Mensch, der gerne alles an seinem Platz hat und im Übrigen die Messer mit der Spitze nach unten in den Geschirrspüler räumt. 😊

Wie würdest du deine Persönlichkeit in drei Worten beschreiben?
Mutig, diszipliniert und ehrgeizig.

 

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Im letzten Abschnitt teilt Damian seine Gedanken zum Sponsoring und dessen Bedeutung

Auf was achtest du bei einer Sponsoringpartnerschaft?
Ich achte bei einem Sponsoringpartner, dass er zu mir passt und ich mich mit ihm identifizieren kann. Im besten Fall, so wie mit Fehr Braunwalder AG, kenne ich die Firma und die Produkte bereits. Wenn die Firma dann auch noch aus der Region kommt, ist das umso besser.

Wie ist die Sponsoringpartnerschaft zwischen dir und der Fehr Braunwalder AG entstanden?
Seit meiner Lehrzeit arbeite ich mit den Produkten der Fehr Braunwalder AG. Sie waren meine täglichen Begleiter auf dem Bau. Nun bei meiner Arbeit als Projektleiter bin ich viel damit beschäftigt diese Produkte zu bestellen und in Projekte einzuplanen.

Wie beeinflusst das Sponsoring dein tägliches Training und deine Wettkampfvorbereitungen?
Sponsoring ist mittlerweile ein sehr grosser Bestandteil des Schwingsports. Meiner Meinung nach geht es inzwischen nicht mehr ohne. Früher arbeitete ich in einem 100%-Pensum und trainierte ausschliesslich in meiner Freizeit. Wenn man heute aber an der Spitze mitmischen möchte, reicht das nicht mehr aus. Um mein Trainingspensum zu erreichen, trainiere ich teilweise auch morgens oder nachmittags. Um diese Einheiten durchführen zu können, musste ich mir freinehmen. Damit ich die Fehlzeiten auszugleichen kann, habe ich mein Arbeitspensum reduziert. Sponsoring ist dabei eine äusserst wertvolle finanzielle Unterstützung. Es ermöglicht mir, mich intensiver auf den Sport zu konzentrieren und meine Regenerationszeiten zu optimieren, was das Verletzungsrisiko senkt. Diese Unterstützung ist entscheidend, um meine Ziele zu erreichen. Dafür bin ich meinen Sponsoren sehr dankbar.

Was sind deiner Meinung nach die grössten Missverständnisse über das Sponsoring im Schwingsport?
Im Schwingsport wurde Sponsoring nicht immer akzeptiert. Ich bin jedoch froh, dass sich das mittlerweile geändert hat. Wenn Sportler mehr als fünfmal pro Woche trainieren, sehe ich das als Spitzensport an. Auf diesem Niveau ist externe finanzielle Unterstützung entscheidend. Sponsoring ermöglicht es den Sportlern, mehr für ihren Sport zu tun, was den Sport an sich viel attraktiver macht. Es hilft ihnen, an der Spitze mitzuhalten, was das Ziel eines jeden Sportlers ist.