
Effektiver Schutz für deine Füsse: Sicherheitsschuhe für Bauprofis im Fokus
Gesetzliche Vorgaben
In der Schweiz gelten verschiedene Normen und Verordnungen, die die Anforderungen an Sicherheitsschuhe regeln. Die wichtigste Norm, seit März 2023 in Kraft, ist die EN ISO 20345:2022, die die grundlegenden Anforderungen an Sicherheitsschuhe festlegt. Jeder Sicherheitsschuh muss gewisse Grundanforderungen erfüllen um der europäischen Norm EN ISO 20345:2022 zu entsprechen. Schuhe mit Schutzausrüstung (SB-Sicherheitsschuh) mit dieser Norm müssen immer folgende Eigenschaften gewährleisten:
- Eine Zehenschutzkappe, die einen Aufprall von mindestens 200 Joule aushält.
- Basis-Rutschsicherheit, getestet auf Keramikfliesen mit Reinigungsmitteln.
Die Einhaltung dieser Norm wird in der Schweiz von der SUVA (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt) überwacht, die als zentrale Institution für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz tätig ist. Arbeitgeber sind gemäss der Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten (VUV) verpflichtet, ihren Mitarbeitenden geeignete Sicherheitsschuhe zur Verfügung zu stellen, wenn die Arbeitssituation dies erfordert. Die richtige Auswahl der Sicherheitsschuhe trägt massgeblich zum Schutz und Tragekomfort des Arbeitnehmers bei.
Zusätzlich zu den Anforderungen der EN ISO 20345 können spezifische Richtlinien und Empfehlungen der SUVA und der EKAS (Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit) festlegt werden.
Es gibt drei Typen von Arbeitsschuhen mit unterschiedlichen Schutzwirkungen:
- Sicherheitsschuhe (Kennzeichnung S / EN ISO 20345) sind Schuhe mit Zehenkappen, deren Schutzwirkung gegen Stosseinwirkungen mit einer Prüfenergie von mindestens 200 J und gegen Druck bei einer Druckbeanspruchung von mindestens 15 kN geprüft wird.
- Schutzschuhe (Kennzeichnung P /EN ISO 20346) sind Schuhe mit Zehenkappen, gegen mechanische Einwirkungen mit einer Prüfenergie von mindestens 100 J und gegen Druck bei einer Druckbeanspruchung von mindestens 10 kN geprüft wird.
- Berufsschuhe (Kennzeichnung O / EN ISO 20347) sind Schuhe mit mindestens einem schützenden Bestandteil (z.B durchtrittsichere Einlage). Zehenkappen müssen nicht vorhanden sein.
In diesem Artikel gehen wir auf die Sicherheitsschuhe (Kennzeichnung S) ein. Sie werden in verschiedene Klassen unterteilt, die jeweils unterschiedliche Schutzfunktionen bieten.

Einsatzgebiete
Bauindustrie: Holzbauer und Gebäudehüllen-Spezialisten
Für Holzbauer und Gebäudehüllen-Spezialisten ist die Wahl der richtigen Sicherheitsschuhe entscheidend. Auf Baustellen sind die Füsse zahlreichen Gefahren ausgesetzt, von herabfallenden Gegenständen bis hin zu scharfen oder spitzen Objekten auf dem Boden. S3-Schuhe bieten hier den umfassendsten Schutz, da sie nicht nur eine Zehenschutzkappe und antistatische Eigenschaften besitzen, sondern auch eine durchtrittsichere und rutschhemmende Sohle sowie wasserabweisendes Obermaterial aufweisen.
In der Holzbauindustrie gibt es oft spezielle Anforderungen an die Schnittfestigkeit der Schuhe, um die Füsse vor scharfen Werkzeugen zu schützen. Gebäudehüllen-Spezialisten, die häufig in der Höhe arbeiten, benötigen besonders rutschfeste Sohlen und einen festen Halt, um Stürze zu vermeiden.
Weitere Branchen
In der Metallverarbeitung sind S3-Schuhe besonders sinnvoll, da sie oft durch hitzebeständige Sohlen und spezielle Schnittschutz-Eigenschaften ergänzt werden. In der Lebensmittelindustrie hingegen sind S2-Schuhe ideal, weil sie aufgrund ihrer wasserabweisenden Eigenschaften und der leichten Reinigung hervorragend geeignet sind. Für die chemische Industrie sind spezielle S2- oder S3-Schuhe notwendig, die aus chemikalienresistenten Materialien bestehen, um den besonderen Anforderungen dieser Branche gerecht zu werden. Im Bereich Logistik und Lagerwesen kommen häufig S1P-Schuhe zum Einsatz, die leichten und flexiblen Schutz bieten und somit den Arbeitskomfort erhöhen.
Ergonomie und Passform
Ein gut sitzender Sicherheitsschuh ist entscheidend für den Tragekomfort und die Sicherheit. Ein zu enger oder zu weiter Schuh kann Blasen, Druckstellen und andere Fussprobleme verursachen. Daher ist eine Anprobe unerlässlich. Beachte dabei die folgenden Punkte:
-
Am Nachmittag anprobieren: Die Füsse sind im Laufe des Tages leicht geschwollen, was eine bessere Passform gewährleistet.
-
Mit Arbeitssocken probieren: So stellst du sicher, dass die Schuhe auch mit den Socken, die du normalerweise trägst, passen.
-
Laufprobe machen: Gehe einige Schritte, um sicherzustellen, dass der Schuh gut sitzt und bequem ist.
-
Beide Schuhe anprobieren: Probiere unbedingt beide Schuh an. Die Form und Grösse deiner Füsse weichen immer ein wenig voneinander ab.
Materialien
Obermaterialien
Die Wahl des richtigen Materials trägt ebenfalls zur Sicherheit und zum Komfort bei. Leder ist langlebig, atmungsaktiv und bietet guten Schutz, während Synthetikmaterialien leichter und oft wasserabweisend sind, jedoch weniger atmungsaktiv. Textilmaterialien sind leicht und flexibel, eignen sich jedoch eher für leichtere Arbeiten.
Sohlenmaterialien
Bei den Sohlen sind Polyurethan (PU) wegen seiner Leichtigkeit und Flexibilität sowie Gummi aufgrund seiner Robustheit und Hitzebeständigkeit besonders beliebt. EVA (Ethylenvinylacetat) ist extrem leicht und stossdämpfend, jedoch weniger langlebig.
Zertifizierungen und Prüfzeichen
Wichtige Prüfzeichen, auf die du bei der Auswahl von Sicherheitsschuhen achten solltest, sind die CE-Kennzeichnung und die DGUV-Zertifizierung. Die CE-Kennzeichnung bestätigt, dass der Schuh den europäischen Sicherheitsstandards entspricht, während die DGUV-Zertifizierung spezielle Prüfzeichen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung für besondere Sicherheitsanforderungen umfasst.
Zusätzlich zur EN ISO 20345 gibt es internationale Normen wie die ASTM F2413, die ebenfalls wichtige Schutzfunktionen für Sicherheitsschuhe definieren.
Pflege und Wartung
Um die Lebensdauer der Sicherheitsschuhe zu verlängern und ihre Schutzfunktion zu erhalten, ist regelmässige Pflege unerlässlich. Schmutz sollte regelmässig abgewischt werden, um Materialverschleiss zu verhindern. Pflegeprodukte wie Imprägniermittel und Lederpflegemittel schützen das Material zusätzlich. Sicherheitsschuhe sollten trocken gelagert werden, um Schimmel und Materialschäden zu vermeiden, und nicht direkter Hitze ausgesetzt werden, um ein Austrocknen und Risse im Material zu verhindern.
Passendes Zubehör
Neben den Sicherheitsschuhen selbst gibt es eine Reihe von Zubehör, das den Komfort und den Schutz weiter erhöhen kann:
- Einlegesohlen: Ergonomische Einlegesohlen können den Tragekomfort erheblich verbessern und helfen, Fussermüdungen zu reduzieren.
- Socken: Spezielle Arbeitssocken aus atmungsaktiven und feuchtigkeitsregulierenden Materialien können Blasenbildung verhindern und den Tragekomfort erhöhen.
- Gamaschen: Diese können zusätzlichen Schutz gegen Funken, Schmutz und Feuchtigkeit bieten und sind besonders in der Metallverarbeitung nützlich.
- Schuhspikes: Für Arbeiten im Winter oder auf rutschigem Untergrund können Spikes die Rutschhemmung erhöhen und so zusätzliche Sicherheit bieten.
- Pflegeprodukte: Regelmässige Pflege mit geeigneten Reinigungs- und Imprägniermitteln verlängert die Lebensdauer der Sicherheitsschuhe und erhält deren Schutzfunktion.

Zustand und Austausch von Sicherheitsschuhen
Der Zustand von Sicherheitsschuhen spielt eine zentrale Rolle für ihre Schutzwirkung. Nur wenn sie unbeschädigt sind, können sie den Anforderungen des Arbeitsalltags gerecht werden und zuverlässig vor Verletzungen schützen. Durch tägliche Nutzung, hohe mechanische Belastung oder äussere Einflüsse wie Hitze und Feuchtigkeit unterliegen Sicherheitsschuhe jedoch einem natürlichen Verschleiss.
Erkennbare Verschleiss- und Schadensmerkmale
Ein besonderes Augenmerk sollte auf das Schuhoberteil gelegt werden. Deutliche Rissbildungen, starker Abrieb oder aufgetrennte Nähte können die Stabilität und Schutzfunktion beeinträchtigen. Besonders kritisch wird es, wenn wichtige Schutzbereiche wie die Zehenschutzkappe, das Futter oder die Zwischensohle beschädigt oder freiliegend sind. Auch sichtbare Verformungen des Materials können ein Sicherheitsrisiko darstellen. Besonders die Laufsohle sollte regelmässig überprüft werden, denn Risse, abgeflachte Profile oder eine Profilhöhe von weniger als 1,5 mm verringern die Rutschfestigkeit deutlich.
Funktion und Trageeigenschaften
Neben dem Materialzustand ist die Funktionalität der Sicherheitsschuhe entscheidend. Nicht mehr zuverlässig funktionierende Verschlüsse wie Schnürsenkel, Reissverschlüsse, Ösen oder Klettverschlüsse können den Halt des Schuhs beeinträchtigen. Stark deformierte oder gequetschte Einlegesohlen wirken sich zudem negativ auf den Tragekomfort und die Stabilität aus.
Normgerechte Bewertung
Erfüllen Sicherheitsschuhe die Anforderungen der EN ISO 20345 nicht mehr, gelten sie als nicht normgerecht und sollten ersetzt werden. Eine regelmässige Kontrolle hilft dabei, sicherheitsrelevante Mängel frühzeitig zu erkennen und dauerhaft ein sicheres Arbeiten zu gewährleisten.